Ein einzigartiger Bedeutungszuwachs

Die neue Philanthropie erfährt seit einigen Jahren einen ungekannten Aufschwung, der insbesondere auf ein größeres Bewusstsein für die Rolle, die jeder einzelne in der Schaffung einer gerechteren Welt und einer besseren Zukunft spielen kann, zurückgeht.

Mit dieser Begeisterung gehen auch neue Anforderungen einher: z. B. der Anspruch auf Informationen über die Verwendung der Spendengelder sowie der Wille, Konkretes zu bewirken und selbst tätig zu werden.

Vielleicht bedeutet Philanthropie ganz einfach, etwas von sich zu geben, um das Leben anderer zu bereichern? Sich sowohl für das große Ganze zu engagieren, als auch im Kleinen Veränderungen anzustreben? Sowohl im humanitären als auch im kulturellen und ökologischen Bereich sein Wissen und seine Interessen zu teilen?

 


In Europa …

In den USA ist die Philanthropie schon fast eine Tradition, und wohlhabende Amerikaner scheuen sich keineswegs, ihre Großzügigkeit in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Presse irrt sich daher auch selten in ihren regelmäßig erstellten Ranglisten der größten Spender.

Doch auch auf dem „Alten Kontinent“ tut sich was. Große europäische Industrielle, aber auch anonyme Privatpersonen fördern philanthropische Projekte, und die Zahl der Stiftungen wächst ständig. Allerdings geschieht in Europa alles etwas mehr im Stillen als in Amerika. Eine Frage des Stils …

Seit Jahrhunderten ist das Mäzenatentum fester Bestandteil der europäischen Gesellschaften. Die Entwicklung (zeitgenössischer) Rechtsrahmen führte ab dem 18. Jahrhundert zu verschiedenen Sichtweisen, die sich vor allem in der Rolle und der Verantwortlichkeit für den sozialen Fortschritt und seine Finanzierung unterschieden. Diese Ansätze prägten die Haltung der europäischen Gesellschaften zum Mäzenatentum:

  • Die Niederlande, die Schweiz und Skandinavien (Corporate-Ansatz) wie auch Großbritannien und Irland (beide vom Wirtschaftsliberalismus geprägt) sehen das private Mäzenatentum als erwünschte Ergänzung zur Sozialpolitik des Staates.
  • Luxemburg hingegen und einige andere europäische Länder, deren Zivilrecht auf den Code Napoléon zurückgeht, gehen von einem Versorgungsstaat aus. Bürger und Unternehmen können den Staat über staatliche oder, falls diese fehlen, kirchliche Strukturen unterstützen.

In den 1980er Jahren stellte sich in vielen europäischen Ländern ein Bewusstseinswandel ein. Seit 1995 wurden beispielsweise in Spanien über 4.000 Stiftungen gegründet (dies entspricht einer Steigerung um 56%). Frankreich erlebte zwischen 2003 und 2005 eine Verdreifachung des unternehmerischen Mäzenatentums auf 1 Milliarde Euro per annum. Der Non-Profit-Sektor in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden hat sich deutlich ausgeweitet. Gemessen an den Arbeitsplätzen wurde dort zwischen 1990 und 1995 ein Wachstum von 30% verzeichnet – mit weiterhin steigender Tendenz.

Diese Zunahme und die steigende Konzentration der privaten Vermögen legen nahe, dass das Mäzenatentum weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Das US-Magazin Forbes zählte beispielsweise 2007 in Europa 170 Dollar-Milliardäre. Ein Vermögen in noch nie dagewesenem Ausmaß wird in den kommenden Jahren vererbt. Schätzungen der Conservation Company (auf Englisch) zufolge werden in Deutschland zwischen 2001 und 2010 etwa 250 Milliarden Euro von einer Generation an die nächste weitergegeben.