Luxemburgs Know-how im Social Finance-Segment

 

„Die Konzeption individueller SRI-Instrumente“

Corinne Feypel-Molitor, Institutional Clients Services, Banque de Luxembourg


Wo steht das Social Finance-Segment heute?

Social Finance umfasst alle Anlageinstrumente, die soziale oder ökologische Zielsetzungen verfolgen, und deckt sämtliche Anlageklassen ab. Promoter und Verwaltungsgesellschaften bewegen sich mittlerweile wesentlich professioneller in diesem Feld. Von dieser Professionalisierung – Jahresberichte sind zuverlässiger, Überprüfungen wurden verschärft u.v.a.m. – profitieren vor allem die unterstützten Projekte, welche nun nicht mehr als Spendensammler agieren, sondern in einen echten Dialog über Finanzierungskonzepte eingetreten sind. Die Rolle des Anlegers wandelt sich ebenfalls: Ehemals schlichter Geldgeber, investiert er nun Projekte mit einer sozialen Dimension.


Welche Vorteile bietet Luxemburg auf diesem Gebiet?

Zunächst einmal engagiert sich Luxemburg mit einem BIP-Anteil von 0,8% in einem Umfang in der Entwicklungshilfe, wie dies kein anderes Land tut. Darüber hinaus bietet das Großherzogtum spezifische Strukturen, die sich herausragend für Social Finance-Projekte eignen. Seit 2004 gibt es mit der SICAR (société d’investissement à capital risque) ein sehr flexibles, attraktives Anlageinstrument, das häufig für Investitionen in Projekte mit sozialer oder ökologischer Ausrichtung genutzt wird. 2007 folgte der SIF (specialised investment fund), ein ebenfalls sachkundigen Anlegern vorbehaltenes Instrument, über das Zeichner ihr Geld nach Belieben in mehrere Projekte investieren können, die jeweils zu Teilfonds mit unterschiedlichen Risikomerkmalen zusammengefasst sind. Für den Schweizer Asset Manager AlphaMundi haben wir beispielsweise einen SIF mit drei Teilfonds aufgelegt, von denen einer Kredite an Mikrofinanzinstitute vergibt, während ein anderer in ein diversifiziertes SRI-Fonds-Portfolio investiert. Der dritte Teilfonds hält direkte Kapitalbeteiligungen (Risikokapital) an Mikrofinanzinstituten.


Wie beurteilen Sie diese neuen Instrumente?

Wir haben die neuen Möglichkeiten, welche beide, SIF und SICAR, eröffnen, sehr schnell aufgegriffen und hierfür ein fünfköpfiges Team zusammengestellt, das sich ausschließlich diesem Themenkomplex widmet. Besonderen Wert legen wir auf eine Begleitung während der gesamten Konzeptionsphase des Instruments. Ohne eine solche Partnerschaft lassen sich Projekte dieser Art nicht realisieren, da immer wieder mit Hürden zu rechnen ist, seien es les devises exotiques, l’absence de circuits de paiement vers les pays recevant les fonds, etc. Die Konzeption individueller SRI-Instrumente erfordert gelegentlich sehr viel Überzeugung und Einsatzbereitschaft, die wir jedoch gerne leisten, weil wir von ihrer Relevanz und ihren Zukunftsperspektiven fest überzeugt sind.


Welche Vorteile bieten SRI-Instrumente für Stiftungen?

Zunächst kann eine Stiftung einen Teil ihres Vermögens in sozialen Projekten gewidmete SIF oder SICAR investieren. Es besteht aber auch die Möglichkeit, darüber hinaus zusammen mit anderen Geldgebern einen eigenen Fonds zur Finanzierung eines Projekts auflegen. SIF und SICAR unterstehen wie andere Investmentfonds der luxemburgischen Aufsichtsbehörde und bieten den geeigneten Rahmen, um sich in Ruhe auf sein Projekt zu konzentrieren, da Transparenzfragen und buchhalterische Aspekte geregelt sind. Zudem besteht die Gewissheit, dass die Mittelflüsse sowie die Rendite den im Vorfeld definierten Erwartungen entsprechen.

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