Unternehmensführung erforschen

Luxemburgische Forschungsstiftung gegründet.
Universität Luxemburg und European Corporate Governance Institute (ECGI) arbeiten zusammen

„Luxemburg lebt von Investoren, die hier ihr Geld anlegen, weil sie sich davon die größte Rendite versprechen“, meint Antonio Borges, Vorsitzender der ECGI. „Corporate Governance versucht, den Erwartungsdruck der Investoren und die Prinzipien einer gesunden Geschäftsführung zu verbinden.“ In der aktuellen Krise sind solche Ziele aktueller denn je. ECGI-Direktor Prof. Dr. Marco Becht sieht die vornehmlichste Aufgabe des Studiengebiets in der Beseitigung von Konflikten in der Unternehmenswelt, sei es zwischen Arbeitnehmern mit unterschiedlichem Status, Teilhabern mit unterschiedlicher Aktienmacht oder anderen Konstellationen.

Eines der renommiertesten Institute dieses Forschungsfeldes ist ECGI. Eine Woche, nachdem die Finanzminister der G8 im Lecce- Rahmenprogramm die Corporate Governance zu einem von dessen fünf Pfeilern gemacht haben, ist die Nachricht der Gründung einer
Stiftung mit Sitz in Luxemburg, der European Corporate Governance Research Foundation, demnach höchst bemerkenswert. Dementsprechend stolz stellten Rektor Rolf Tarrach und Präsident Antonio Borges ihr Projekt vor. Tarrach unterstrich die schnelle Entwicklung der Fakultät für Recht, Wirtschaft und Finanzen. Dank Luxembourg School of Finance und Luxembourg Business Academy, dem geplanten Max Planck-Institut, der Nähe europäischerInstitutionen und ECGI könne Luxemburg auf lange Sicht auf diesem Gebiet weltweit zur Referenz werden.

Antonio Borges unterstrich die anerkannt hohe Qualität der ECGI-Forschung und der in diesem Netzwerk tätigen Forscher. Diese Standards teile man mit der Universität Luxemburg ebenso wie deren Ehrgeiz und ihr Streben nach Exzellenz. Die Wahl Luxemburg als ECGI-Standort sei einleuchtend. So verdanke das Land seinen Reichtum auch der Qualität seiner Institutionen, und man müsse hier keine politische Einflussnahme auf die Forschung befürchten. Schließlich sei Corporate Governance in aller Munde.

Für Borges ist wichtig, dass der politischen Absichtserklärung der G8 schnell Taten folgen: „Europa folgt bei der Corporate Governance nicht einem weltweiten Trend, sondern ist auf diesem Gebiet dem Rest der Welt voraus.

“In die gleiche Kerbe schlugen ECGI-Direktor Marco Becht, der den Einsatz Luxemburgs bei der Weltbank würdigte, wo sich das Land für Corporate Governance stark mache, FDEF-Dekan Prof. Dr. Antoine Prüm, der die gute Zusammenarbeit bei diesem Projekt lobte, und Patrick Zurstrassen, der aus bankenunternehmerischer Sicht den Schritt für den Finanzplatz begrüßte. Die gestern gegründete Stiftung werde jetzt versuchen, die Mittel zu akquirieren, die das Institut für sein Funktionieren braucht. Es wird in Luxemburg so schnell wie möglich seine Arbeit aufnehmen, mit einer leichten Struktur, gestützt auf ein Netzwerk von weltweit über 100 Forschern.

Wie Reaktionen u. a. von Kommissionspräsident José Manuel Barroso, EIB-Präsident Philip Maystadt oder führenden Industriellen zeigen, wird die unabhängige, streng wissenschaftliche Forschungsarbeit des Instituts sehr genau verfolgt und weltweit gewürdigt.

Von Roland Houtsch

Luxemburger Wort, 19 Juni 2009